“Wir suchten nach Abenteuer”

Die Bundesliga-Herren sind bekannt für Fluktation: Spieler kommen, Spieler gehen. Darin steht die Mannschaft der Rastlosigkeit seiner Heimatstadt in nichts nach. Doch eine derartige Durchmischung wie vor dieser Saison ist auch für BAT ungewöhnlich. Gleich sieben neue Gesichter sind zum Team dazugestoßen. In einer kleinen Interview-Serie werden wir in den kommenden Wochen auf BATberlin.de einen nach dem anderen vorstellen und dabei auch ein wenig auf den Zahn fühlen. Den Anfang macht unser schwedischer Verteidiger Jesper Engström.

Der große Blonde ist ein sympathischer Kerl, immer ein Lächeln auf dem Lippen. Auf dem Feld erweist er sich jedoch dem Gegner gegenüber als sehr unfreundlich. Trash-Talk und kleine Nickligkeiten gehören für ihn zum Defensivjob einfach dazu. Sonst kann Jesper Engtröm aber keiner Fliege etwas zu leide tun. Zu seinen Qualitäten – neben Floorballspielen – gehören fundierte Sachkenntnisse über Brillengestelle und schwedische Hackbällchen.

BATberlin.de: Hallo Jesper, du bist einer unserer beiden neuen “Schweden-Jungs”. So viel wissen wir, mehr aber auch nicht. Also: Stell dich doch bitte einmal vor.

Jesper Engström: Ähm.. ja. Ich bin ein 20 Jahre alter Junge aus einer Stadt namens Örebro. Am 13. August bin ich nach Berlin gezogen und beginne langsam zu begreifen, dass ich nicht länger Bürger meiner Heimatstadt bin. Und ich kann die besten Hackbällchen auf der ganzen Welt kochen.. oder zumindest die besten in ganz Berlin.

Wann und warum hast du eigentlich mit Floorball angefangen?

Ich war um die acht Jahre alt. Ein Klassenkamerad spielte es bereits und nahezu jeder Typ in meiner Klasse fing es in der Folge auch an. Da ich ein Riesen-Sportfan war, vor allem Ballsportarten, versuchte ich es auch. Und verliebte mich direkt.

In deiner Karriere hast du auch eine Saison in der 2. Division Schweden gespielt, der dritthöchsten Liga des Landes, mit einem wesentlich höheren Level als die deutsche Bundesliga. Was sind die größten Unterschiede?

Es ist ingesamt ein Riesenunterschied, technisch, taktisch und physisch. Hart zu sagen, was nun der größte ist. Vielleicht sind es die Jugendmannschaften. Dadurch gibt es sehr viele junge Spieler, die nachstoßen. Der Wettbewerb um jede Position ist somit oft sehr groß. Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Schau dir doch nur die Fakten an: Deutschland ist noch mitten in der Entwicklung, es hat großes Potential und mehr und mehr Kids entdecken die Schönheit unseres Sports.

“Wir suchten Abenteuer. Welche Stadt in Europa bietet da mehr als Berlin?

Wie zur Hölle bist du auf die Idee gekommen, mit deinem Kumpel Ismael Hallbäck zum Floorballspielen nach Berlin zu ziehen?

Wir suchten nach Abenteuer und haben deshalb nach einem Klub in einer Stadt gesucht, die uns das bieten konnte. Und welche andere Stadt in Europa könnte das besser als Berlin? Zudem haben wir ein Team gesucht, das uns die Möglichkeit gab, mit ihm zu wachsen. Schließlich kamen wir zu dem Schluss, dass BAT perfekt passt.

Nun kennst du die Mannschaft seit einigen Wochen. Wie sind deine Eindrücke? Wo siehst du die größten Baustellen und was ist in dieser Saison möglich?

Wir haben großes Potential und einen wirklich guten Teamspirit. Ich denke, wir sind besser als wir es in den ersten beiden Partien gezeigt haben. Unterm Strich, sind wir eine gute Mannschaft. Aber wir haben viele neue Spieler und müssen uns auf dem Feld noch besser kennen lernen. Wenn dann einmal alles passt, ist auch alles möglich.

Da du ja aktuell noch auf Arbeitssuche bist, hast du jetzt die Möglichkeit, mögliche Arbeitgeber zu beeindrucken. Leg los: Was sind deine Stärken, was kannst du richtig gut?

Ich bin unglaublich ehrgeizig, will mich immer weiterentwickeln und besser werden. Wenn ich Fehler mache, ziehe ich nicht den Kopf ein, sondern versuche direkt daraus zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Zuhause in Örebro habe ich ein Jahr als Verkäufer beim weltberühmten Optiker Specsavers gearbeitet. Für mich persönlich war es immer wichtig, dass die Kunden sich sicher und zufrieden mit ihrem Produkt fühlten.. (schmunzelt)

“Unsere Speisekammer ist mittlerweile gut gefüllt.”

Wie läuft eigentlich der Männerhaushalt mit Ismael (Hallbäck, d. Red.)?

Oh, es ist aufregend. Da wir vorher bei unseren Eltern gelebt haben, ist es schon eine große Veränderung. Insgesamt hatten wir anfangs etwas Probleme mit unser daraus resultierenden Diät. (lacht) Aber mittlerweile läuft es richtig gut. Unsere Speisekammer und unser Kühlschrank sind beide gut gefüllt. Manchmal braucht jeder natürlich etwas Zeit für sich, die nehmen wir uns dann aber auch. Wir lernen immer mehr über die Stadt und in ihr zurechtzukommen.

Fotos; oben links: Immer hilfsbereit, wenn es nötig ist. Bandentransporte, wie hier am Berlin Open, sind für Jesper (und natürlich auch Ismael) selbstverständlich (by Tom Nebe); Mitte: Auf dem Feld agiert der Schwede konsequent, wie hier im Duell mit dem UHC Avry (by Andreas Schulz).

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