Von nichts kommt nichts

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“Wenn wir wollen, wird 2017 das beste Jahr unserer Vereinsgeschichte”, sagt Jan Kratochvil, Spielertrainer Bundesliga-Herren, in seinem Neujahrsschreiben. Aber nur, wenn ganz bestimmte Ziele erreicht werden.

Liebe Floorball-Freunde,

die halbe Welt verflucht das abgelaufene Jahr 2016. Insgesamt gesehen, war es aber nicht viel schlechter und auch nicht viel besser als die meisten davor. Für unsere Abteilung waren es dennoch zwölf aufregende Monate, die geholfen haben, uns darüber im Klaren zu werden, was wir von unserer eigenen Zukunft erwarten.

Stand der Dinge

Nach dem Abschied der vorherigen Abteilungsleitung haben Robert Retzlaff und Roman Schwaiblmair die Geschicke der Floorballer von BAT Berlin übernommen. Sie haben neue Prozesse installiert, die zu einem regen Austausch innerhalb der Abteilung geführt haben. Für diese Arbeit gebührt ihnen schon jetzt, nach kurzer Zeit ihrer Tätigkeit, großer Dank.

Auch unsere Nachwuchstrainer leisten ganze Arbeit. Die U13 und die U15 belegen die ersten Plätze ihrer Ligen, mit guten Aussichten auf die Berliner Meisterschaft, die U17 hält mit einem zweiten Platz Kurs auf die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft.

Viel wichtiger als die einzelnen sportlichen Erfolge ist aber die Verflechtung der Jugend mit dem Seniorenbereich. Während in der Vergangenheit viele Nachwuchsspieler im kritischen Alter zwischen 15 und 18 Jahren den Verein zwecks Perspektivlosigkeit verließen, gelingt es nun wesentlich häufiger, den Sprung in die Erwachsenen-Kader zu meistern.

So sind unsere Talente nicht nur zu Leistungsträgern in der zweiten Mannschaft aufgestiegen, sondern spielen auch eine immer wichtigere Rolle in der ersten. Dort helfen sie, einen generationsbedingten Umbruch zu meistern, der BAT Berlin gerade auf eine harte Probe stellt.

Alte Herausforderungen

Trotz einer ordentlichen Verjüngungskur belegt unser Bundesliga-Team zum Rückrundenstart den dritten Tabellenrang in der deutschen Königsklasse. Gelingt am 22.01. ein Heimsieg gegen Bremen, würde Berlin außerdem erst zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte (nach 2009) ins Final4 des Floorball Deutschland Pokals einziehen.

Die sportlichen Leistungen aller Abteilungsmannschaften wiegen um so schwerer, wenn man bedenkt unter welchen katastrophalen Bedingungen trainiert werden muss. Tatsächlich ist BAT der einzige Verein mit einer Mannschaft in der 1. oder 2. Bundesliga, dem im gesamten Trainingsbetrieb keine Großfeldhalle zur Verfügung steht. Ein offener Brief an die Senatsverwaltung zum Thema „Praktiken der Hallenvergabe“ hatte für eine öffentliche Diskussion gesorgt, geändert hat sich bislang aber nichts. Ein Armutszeugnis.

Mit den sportlichen Ansprüchen unserer Teams wachsen außerdem die Anforderungen an die Verwaltung unserer Abteilung. Finanzen, Material, Ausbildung, Schiedsrichter und viele andere Themen lasten bisweilen auf zu wenig Schultern. Mit dem Abschied einiger langjährigen Entwickler wird sich diese Situation nun vermutlich weiter verschärfen.

Das fehlende Personal und die eher mäßige Beteiligung der Mitglieder an den Prozessen innerhalb unserer Abteilung sind Folgen einer lange Zeit geteilten Abteilungsstruktur. Über Jahre hinweg hatte sich jeder Bereich nur um sein eigenen Häufchen gekümmert. Nun soll zusammenwachsen, was zusammen gehört. Auch deshalb soll noch im ersten Quartal eine Mitgliederversammlung stattfinden.

Neue Ziele

Um als gesunder Verein für die Zukunft gewappnet zu sein, werden wir uns im kommenden Jahr bemühen, eine Reihe wichtiger Ziele zu erreichen. Die zentrale Aufgabe wird die Zusammenarbeit aller Bereiche und der Aufbau eines lebendigen Vereinslebens sein. Um dies zu erreichen, muss sich ab jetzt jedes Abteilungsmitglied an den Prozessen aktiver beteiligen. Der Verein wird somit nicht nur mehr fördern, sondern auch mehr fordern müssen.

Mit vielen dieser Herausforderungen haben wir bereits begonnen, meistern können wir sie aber nur gemeinsam:

1) Eine effiziente und übersichtliche Kommunikation innerhalb der gesamten Abteilung.

2) Eine gesteigerte Bereitschaft jedes Vereinsmitglieds, kleine Aufgaben zu übernehmen und bei der Entwicklung unseres Vereins mitzuhelfen.

3) Die Einbindung von Eltern, insbesondere junger Mitglieder, die (wie bei anderen Vereinen üblich) ebenfalls Funktionen übernehmen.

4) Eine aktivere Lobbyarbeit im sportpolitischen Raum Berlins.

5) Eine intensivere Unterstützung des FVBB und aller seiner Vereine bei der Entwicklung von Floorball im Gebiet Berlin-Brandenburg.

6) Ein höherer sportlicher Anspruch an alle Gruppen, die sich dem Leistungsprinzip verschrieben haben.

7) Eine klügere Nutzung unseres bereits bestehenden vereinseigenen Netzwerks.

8) Eine Weiterentwicklung unserer Marketing-Instrumente zum Gewinn neuer Mitglieder und Sponsoren.

9) Die Ausrichtung attraktiverer Event-Spieltage, gemeinsam mit allen Vereinsmitgliedern.

Berlin ist kreativ und schludrig, leidenschaftlich und launisch. Das trifft auch auf unsere Abteilung, ja sogar auch auf das Spiel unserer Teams ganz gut zu. Jedenfalls quillt unser Verein mit talentierten Menschen nur so über. Es wäre schmerzhaft, wenn wir dieses Potenzial so einfach verschwenden würden. Wenn wir wollen, wird 2017 das beste Jahr unserer Vereinsgeschichte. Aber von nichts kommt nichts.

Jan Kratochvil
Spielertrainer 1. Bundesliga

Foto: So kann BAT-Fankultur aussehen. Berliner Fans beim Auswärtsspiel.