“Mehr als nur ein Abenteuer”

Mit ihrem neuen Bundesliga-Trainer Adam Nolc möchten die Berlin Rockets einen wichtigen Schritt nach vorne machen. Der 32-jährige Tscheche im Gespräch über seine Ankunft, die Stärken und Schwächen des Teams und die seltsamste Zeit, in der man einen Verein wechseln kann.

Seit knapp 20 Jahren gehört Floorball fest zu seinem Leben. Den Großteil davon verbrachte Adam Nolc beim tschechischen Zweitligisten Kanonyri Kladno. In der eishockeyverrückten Industriestadt nahe Prag baute er nicht nur den Nachwuchsbereich mit auf, sondern war auch als Abteilungsleiter und Trainer im Seniorenbereich tätig.

“Ich gebe zu, viel habe ich übers deutsche Floorball nicht gewusst”, erzählt Nolc. Er habe sich aber bei ein paar Kollegen informiert, die die Bundesliga kannten. Manche hatten sogar in Deutschland gespielt. Um den Wettbewerb aber wirklich fassen zu können, büffelt Nolc jetzt Spielvideo nach Spielvideo. Binge-watching mal anders.

Während andere Vereine viel Aufwand in ausländische Verstärkungsspieler investieren, war in Berlin klar, dass die größte Baustelle im Trainerbereich zu suchen ist. Durch die Coronakrise gestaltete sich die Suche aber lange Zeit als schwierig, wie Jan Kratochvil berichtet. Der Routinier war mit der Trainerakquise beauftragt worden und übernahm dann übergangsweise den Job des Spielertrainers als ein aussichtsreicher finnischer Kandidat kurz vor Saisonbeginn absagen musste. Anfang Oktober kam aber der Kontakt zu Nolc zustande, Mitte Oktober folgte schon der Umzug. Bundesliga? Warum nicht?

“Die Mannschaft wirkt auf mich sehr positiv”, sagt der neue Headcoach. “Es ist beeindruckend wie umfassend alle Spieler in die Abläufe des Vereins integriert und wie eifrig sie sind. Ich hoffe, dass es uns gelingt, diese Energie auch spielerisch zu verwerten.” Bislang hat die Mannschaft nur zwei Freundschaftsspiele unter Nolc absolviert – gegen die unterklassige Konkurrenz aus Potsdam und Siemensstadt. Die zwei klare Siege machten aber eher Baustellen deutlich.

“Es fehlt noch an Aggresivität in Zweikämpfen und auch an der Bewegung ohne Ball müssen wir arbeiten”, erklärt Nolc. Außerdem würde es an offensivem Selbstbewusstsein fehlen, insbesondere an der notwendigen Direktheit, um effizient Tore zu erzielen. “Es gibt jedenfalls genug zu tun”, sagt der ehemalige Flügelspieler.

Tatsächlich soll Nolc dem Verein auch über die Bundesliga-Mannschaft hinaus helfen, wie Vereinsleiter Jakub Marquard bestätigt: “Adam ist extrem motiviert aufgeschlagen. Er ist wissbegierig, hat Tatendrang, versteht aber auch die Möglichkeiten und Grenzen des Vereins.” Nolc sei auch bereits in Kontakt mit den anderen Bereichsleitern und wolle die gesamte sportliche Entwicklung, auch und vor allem die des Nachwuchses unterstützen.

Ob es sich nur um ein kurzes Gastspiel oder um einen neuen Lebensweg handelt, habe sich der junge Trainer zunächst nicht überlegt. “Ich war erst einmal glücklich, überhaupt eine solche Herausforderung annehmen zu dürfen. Aber jetzt, nachdem mich das Team und der Verein mit dermaßen viel Herz aufgenommen haben, würde ich mich freuen, wenn ich länger als nur ein Jahr bleiben könnte, wenn es mehr wird als nur ein Abenteuer.”

Doch was lässt sich in diesen Tagen schon planen? Die Coronakrise hat den Spielbetrieb auf unbestimmt eingefroren. Dass in diesem Jahr noch gespielt wird, ist eher unwahrscheinlich. Tatsächlich darf sich die erste Mannschaft nicht einmal zum Außentraining treffen. Das Kachelfenster eines gemeinsamen Zoom-Trainings muss erstmal reichen.

“Natürlich stimmt es einen negativ, dass man nicht gemeinsam in der Halle trainieren kann”, sagt Nolc. “Aber wir müssen das Beste daraus machen und eben an Kraft und Tempo arbeiten. Dazu braucht es jetzt die richtige Motivation. Hoffentlich geht der Graus so schnell wie möglich vorbei und wir können dort anschließen, wo wir im Oktober angefangen haben.”